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Helmuts Fotokiste - Alte Kameras und die Anmerkungen eines Knipsers zur Freizeit-Fotografie in Familie und Freundeskreis

1957

Ich kaufe mir die Contina (Zeiss-Ikon), meine erste Kleinbildkamera.

Das Geld hatte ich zur Konfirmation bekommen. Bei meiner Konfirmation hat Hans (Hans aus Luckenwalde) fotografiert. Er empfahl eine Kleinbildkamera mit dem Auslöser oben auf dem Gehäuse.  Mit einem Arbeitskollegen meiner Mutter, ging ich einen Fotoapparat kaufen. Er kannte einen Händler, der bei Barzahlung 10% Preisnachlaß gewährte. Es bestand ja noch Preisbindung und die Spanne zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis betrug im Fotohandel 30%.
Kleinbild, Auslöser oben und darf mit Tasche nicht mehr als 150,-DM kosten! Mit dieser Vorstellung betrat ich den Laden (Photo Haller, Kottbusser Damm). Aus vier Apparaten (Voigtländer VITO, Agfa Silette, Braun Paxette und Zeiss Contina) suchte ich die Contina aus. Einfach nach dem Aussehen! Die Contina sah solide aus, der Aufzugshebel war der stabilste der vorgelegten Kameras und der Auslöser war oben auf dem Gehäuse. Die Erklärungen des Verkäufers, die Ratschläge und Bemerkungen von Mutters Arbeitskollegen habe ich kaum verstanden, aber es gibt den Preisnachlaß und einen Film gratis. So ahnungslos, unbedarft und ohne jede Vorkenntnisse bin ich später nie wieder einen Fotoapparat kaufen gegangen.
Rund 2,8 Millionen Fotoapparate wurden 1957 in der Bundesrepublik hergestellt. Dabei war ein Produktionsanstieg in den höheren Preisklassen (über 150,-DM) zu verzeichnen. (Quelle: Klick 11/58)

Der erste Film 36 Aufnahmen, ein großer Teil ist unterbelichtet aber verwackelt ist keine. Beim Abholen der Bilder wird immer gleich ein neuer Film gekauft, schwarz/weiß Kleinbild (Patrone) 36 Aufnahmen für 3,40DM. Denn ein Farbfilm kann ich mir als Anfänger nicht leisten.

Werbung für Farbfilm im Jahr 1957.

 

 

Das Abschätzen der Belichtungswerte ist nicht einfach. Sonne lacht = Blende 8, wird ja nicht allen Belichtungssituationen gerecht.
Dagegen ist Entfernung einstellen und festlegen der Tiefenschärfe einfach.

Bei der Contina sind auch Lichtwerte (LW) auf einer Skala angegeben. Lichtwert heißt heute auf neudeutsch EV "exposure value". Mit der Blende und der Belichtungszeit wird ja die Lichtmenge festgelegt, die den Film erreicht. Denn der Film erhält bei Blende 4 und 1/125 s die gleiche Lichtmenge wie bei Blende 8 und 1/30 s, beide Einstellungen haben deshalb den gleichen Lichtwert "LW 11". Wenn man bei der Contina z.B. die Zeit verstellt, wird automatisch die Blende mit verstellt und der eingestellte Lichtwert bleibt erhalten (shift Möglichkeit nennt man es heute bei modernen Kameras).

Es wird überwiegend im Urlaub (3 Wochen Bayerischer Wald) fotografiert. Der erste s/w Film wird sofort beim Fotohändler im Ort (Bild - Bayrisch Eisenstein) entwickelt. Die Bilder sind OK. 3 Filme (s/w) werden verknipst. Der Wald ist auf den Bildern meist zu dunkel und der Himmel zu hell, mir fehlt ein Gelb- oder Gelbgrünfilter. Ein Gelbfilter und eine Sonnenblende war das erste Zubehör, das dann für die Contina gekauft wurde. Zum Geburtstag oder zu Weihnachten wünsche ich mir in den nächsten Jahren oft Fotozubehör.

Doch wenn ich die Bilder heute ansehe merke ich, es fehlte mir nicht nur ein Gelbfilter sondern auch Erfahrung. Ich habe häufig versucht möglichst viel aufs Bild zu bekommen, dadurch ist alles sehr klein abgebildet. Viel zu klein, die vielen Einzelheiten wirken überhaupt nicht.

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